Die letzte Zuflucht der Denkenden.
Es war einmal ein Wort.
Klar. Schön. Treffend.
Es sagte etwas – und meinte genau das.
Kein „Asterisk“, kein „Doppelpunkt“, kein „Moralaufkleber“. Nur Sinn.
Heute liegt dieses Wort unter Trümmern.
Zertrampelt von Formulierungsvorschriften, Gendersprech, Gesinnungsethik und PR-Korrektheit.
Was als Gleichberechtigung begann, wurde zur Gleichschaltung von Sprache.
Zur Verblödung mit Siegel.
Und ich frage mich:
Wie lange noch?
Wie lange noch müssen wir dabei zusehen, wie die Kunst des Denkens durch den TÜV der Betroffenheit geschickt wird,
bis sie keiner mehr wagt?
Wie lange noch dürfen Worte nicht mehr klingen,
nicht mehr fließen,
nicht mehr berühren –
sondern müssen genderneutral, diskriminierungssensibel und ironiefrei sein?
Was bleibt, ist eine armselige Hülse.
Ein Text aus Excelzellen.
Ein Sprechen ohne Seele.
Ich sehe eine Gesellschaft, die sich selbst amputiert.
Nicht aus Bosheit –
sondern aus Angst.
Angst, jemanden auszuschließen.
Angst, falsch zu liegen.
Angst, nicht als gut zu gelten.
Und so reden plötzlich alle gleich:
Betreuer*innen. Teilnehmer:innen. Beitragende.
Ein ganzes Land im Modus „nicht anecken“.
Eine kollektive Sprachverrenkung.
Und dabei verkommt der Inhalt.
Denn wer nichts mehr sagen darf, was jemand stören könnte,
sagt bald gar nichts mehr.
Und aus dem Denken wird dann nur noch Positionieren.
Man kann eine Sprache nicht retten,
wenn man ihr das Rückgrat bricht,
um sich moralisch daran abzustützen.
– Hendrik Birke
Ich wehre mich nicht gegen Fortschritt.
Ich wehre mich gegen den Tod der Schönheit.
Ich will wieder Sprache, die lebt.
Die eckt.
Die fühlt.
Die nicht jedem gefallen muss –
aber etwas sagt, das bleibt.
Ich schreibe für Menschen, nicht für Schablonen.
Ich will berühren, nicht belehren.
Und ich glaube:
Wer alles moralisch korrekt absichert,
verliert irgendwann den Mut, überhaupt noch etwas Wahres zu sagen.
Möge dieser Text ein Ort sein –
für alle, die noch fühlen.
Noch denken.
Noch sprechen wollen, ohne sich selbst zu verleugnen.
Denn auch das ist eine Form von Widerstand:
Die Würde des Wortes zu bewahren.