Die Angst vor der Sprache.
Es gibt Zeiten, da brennt das Denken wie trockenes Gras.
Weil da plötzlich jemand steht, der sagt, was du noch sagen darfst.
Weil Wörter, die einst nach Herz klangen, jetzt Formeln tragen müssen,
damit sie niemanden pieksen.
Weil aus Kunst Verwaltung wird
und aus Poesie eine Fußnote für Moral.
Sie nennen es Fortschritt.
Sie nennen es Sensibilität.
Sie nennen es Gerechtigkeit.
Aber in Wahrheit ist es oft nur Angst —
vor der Freiheit des Wortes.
Vor dem Unbequemen.
Vor dem Mitdenken.
Vor dem, was nicht einheitlich strahlt.
Sprache war nie dafür gemacht, jedem zu gefallen.
Poesie darf Wunden zeigen, darf schmutzig sein, schön sein, roh sein.
Sie darf flüstern, was nicht gesagt werden soll.
Sie darf klingen, ohne sich fürchten zu müssen,
dass ein Doppelpunkt sie bricht.
Wer Sprache gängelt, sperrt auch das Denken ein.
Wer Kunst normiert, löscht ihre Seele.
Wer Philosophie zu Parolen macht,
erstickt das einzige Feuer, das wir haben: Zweifel.
Sprache, die man fesselt, stirbt nicht — sie flüstert nur woanders weiter.
– Hendrik Birke
Vielleicht verlierst du Freunde,
wenn du die Worte sprichst, wie sie aus dir kommen.
Vielleicht wirst du angezählt, ausgegrenzt, geframt.
Aber weißt du was?
Eine ehrliche Stimme wiegt schwerer als tausend geliehene.
Und selbst wenn sie dich mundtot machen wollen —
Sprache stirbt nicht.
Sie zieht nur um.
In den Kopf eines Einzelnen.
In dein Herz.
In deinen Vers.
In deinen leisen Trotz.
Also schreib.
Sag.
Widersteh.
Halt dein Herz hin, auch wenn sie dich dafür ausradieren wollen.
Denn wer Poesie mit Ketten füttert, wird sie nie zähmen —
nur verlieren.