Das gebrochene Versprechen.

Früher war ein Versprechen ein Fundament.
Heute ist es ein Filter.
Es glänzt kurz, hält bis zur nächsten Ablenkung,
und wird dann ersetzt durch ein neues – hübscher, schneller, bedeutungsloser.

Wir leben in einer Zeit, in der Worte nichts mehr wiegen,
weil sie zu oft verkauft wurden.
Man schwört Liebe auf Plattformen,
Loyalität in Verträgen,
und Überzeugung in Werbespots.

Doch ein Versprechen war nie dafür gedacht, hübsch zu klingen.
Es war dafür gedacht, zu tragen – auch, wenn es unbequem wird.
Ein Versprechen ist ein innerer Vertrag mit sich selbst:
Ich bleibe. Ich halte. Ich stehe – auch dann, wenn keiner klatscht.

Es sind nicht die gebrochenen Versprechen, die eine Zeit zerstören –
sondern die Menschen, die aufgehört haben, sie zu halten.
– Hendrik Birke

Heute halten wir lieber Distanz als Haltung.
Man nennt es Selbstschutz,
doch oft ist es nur Bequemlichkeit.
Denn wer nichts mehr verspricht,
muss auch nichts mehr halten.

Vielleicht ist das der wahre Zündstoff dieser Zeit:
Nicht Wut, nicht Krieg, nicht Krise –
sondern das stille Verlöschen des Verbindlichen.

Ein Versprechen ist kein Satz.
Es ist ein Abdruck der Seele.
Und wer ihn leichtfertig gibt,
verliert jedes Mal ein Stück seiner Glaubwürdigkeit.

Doch irgendwo, in den stillen Herzen weniger,
brennt sie noch – die Glut des Denkens,
die Wärme derer, die sagen, was sie meinen
und meinen, was sie sagen.

Und vielleicht reicht genau diese Glut,
um eines Tages wieder Feuer zu entfachen.

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