Der leise Rückzug der Männer.

Warum immer mehr Männer nichts mehr sagen, obwohl sie alles zu sagen hätten.

Immer mehr Männer sagen nichts mehr.
Nicht, weil sie nichts zu sagen hätten –
sondern weil niemand mehr zuhört,
wenn sie es tun.

Sie schweigen nicht aus Schwäche.
Sie schweigen aus Erschöpfung.
Aus Müdigkeit gegenüber einer Welt,
in der Männlichkeit zu einem Makel geworden ist.

Ein falscher Ton, ein falscher Blick,
eine aufrichtige Frage –
und schon steht der Vorwurf im Raum:
toxisch, dominant, gefährlich.

Dabei wollten viele von uns nur reden.
Sich öffnen.
Zweifel teilen.
Lieben – auf ihre Weise.
Stark sein, ja. Aber nicht gegen jemanden, sondern für etwas.

Doch unsere Stärke ist verdächtig geworden.
Unsere Meinung eine Provokation.
Unser Schweigen?
Die letzte Zuflucht.

Man hat uns beigebracht, dass unser Schweigen sicherer ist als unsere Wahrheit. Doch irgendwann stirbt auch der letzte Gedanke, den keiner mehr hören will.
– Hendrik Birke

Wir leben in einer Gesellschaft,
in der Männer sich entschuldigen müssen, bevor sie sich äußern.
In der sie erklären müssen,
dass sie nicht so sind wie die anderen.
Dass sie nicht übergriffig sind. Nicht rückständig. Nicht laut.
Dass sie „die neuen Männer“ sein wollen –
so, wie es gerade erwartet wird.

Und währenddessen verstummen sie.
Sie ziehen sich zurück in Arbeit, in Einsamkeit, in digitale Ersatzwelten.
Oder – schlimmer noch –
sie beginnen, sich selbst zu verachten
für ein Wesen, das sie nie abschaffen wollten,
aber das plötzlich niemand mehr sehen will.

Es ist kein Krieg der Geschlechter.
Aber es ist ein Verlust an Würde.
Denn Gleichberechtigung bedeutet nicht:
eine Seite gewinnen zu lassen.
Sondern beide Seiten in ihrer Wahrheit zu achten.

Was wir brauchen,
ist nicht mehr Verdächtigung –
sondern mehr Verständigung.

Nicht mehr Schuldzuweisungen,
sondern Räume für das Unausgesprochene.
Für Zweifel. Für Stärke. Für zarte Männlichkeit,
die nicht kämpft, sondern trägt.

Ich schreibe das für die Männer,
die still geworden sind –
nicht, weil sie nichts fühlen,
sondern weil sie niemandem mehr trauen.

Ich schreibe es für jene,
die ihre Männlichkeit nicht ablegen wollen,
aber auch nicht kämpfen gegen Frauen,
sondern mit ihnen leben möchten.

Und ich schreibe es für mich.
Weil auch ich zu oft geschwiegen habe –
obwohl ich alles zu sagen hätte.

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