Der Schmerz, der nicht weint.

Man sieht ihn nicht.
Er trägt keine Farbe.
Kein Pflaster. Kein Verband.
Er sitzt zwischen Atemzügen,
in den Pausen der Sätze,
in den Momenten,
wo das Lächeln zu lange hält.

Der Schmerz, der nicht weint,
ist der gefährlichste.
Weil er still ist.
Geduldig.
Rücksichtsvoll fast.
Er drängt sich nicht auf –
aber er bleibt.

Er wohnt in Menschen,
die immer „Klar, geht schon“ sagen.
In denen, die andere trösten,
aber nachts das Kissen festhalten,
als könnte es sie zurückhalten
vor dem Zerfall.

Er lebt in Blicken,
die gelernt haben, stark zu wirken.
In Schultern,
die mehr tragen,
als man je von ihnen verlangt hat.
In Worten wie
„Ist schon okay“,
obwohl nichts davon je okay war.

Manche tragen ihr Herz wie eine Narbe – sichtbar für niemand.
Spürbar für alles.

– hendrik birke

Der Schmerz, der nicht weint,
hat keine Bühne.
Er kriegt keinen Raum.
Keine Blumen. Kein Mitgefühl.
Er kriegt nur eins:
Schweigen.
Weil man ihn ja nicht sieht.
Weil er nicht stört.
Weil er so verdammt gut funktioniert.

Aber das ist die Tragik:
Er funktioniert.
Er lässt dich weitergehen.
Ohne zu schreien.
Ohne zu klagen.
Ohne zu brechen.
Aber auch:
Ohne dich.

Ich schreibe diesen Text
für dich –
der du vielleicht gerade liest
und denkst:
„Verdammt. Das bin ich.“

Du darfst weinen,
um Schmerz zu zeigen.
Du musst nicht laut sein,
um ernst genommen zu werden.

Du darfst müde sein.
Du darfst dich hinsetzen.
Du darfst sagen:
„Ich kann gerade nicht stark sein.“

Und das ist kein Bruch –
das ist Wahrheit.
Und sie heilt.

Langsam.
Leise.
Aber sie heilt.

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