Hauptsache korrekt. Egal, ob’s hilft.

Ein Text über das deutsche Amt als Religionsersatz – und warum zwischen Formular 48b und Paragraf 12c der Mensch verschwindet.

Sie arbeiten exakt.
Sie sind gründlich.
Sie kennen jede Nummer, jedes Kästchen, jede Frist.
Sie wissen, wann etwas „nicht vorgesehen“ ist.
Und vor allem:
Sie wissen, was nicht geht.

Denn das ist die wahre Kunst deutscher Behörden:
Nicht zu helfen, sondern korrekt zu scheitern.

Ein Mensch sitzt weinend im Wartebereich?
Bitte warten.
Sie haben keine Nummer gezogen.
Ein Obdachloser braucht Unterkunft?
Tut uns leid – nicht zuständig.
Ein Antrag auf Hilfe wird abgelehnt?
Weil das Kreuz im Feld 6b fehlt.
Und das Feld darf nur ausgefüllt werden,
wenn Sie vorher das Zusatzformular 48b_2 unterschrieben haben –
in dreifacher Ausfertigung,
aber bitte nicht mit blauem Stift.

Es stirbt jemand in der Warteschleife.
Aber der Antrag war ja formal nicht vollständig.
Case closed.

Zwischen Formular 48b und Paragraf 12c stirbt gerade ein Mensch –
aber hey, Hauptsache korrekt.
– Hendrik Birke

Ich kenne diese Welt.
Sie schützt sich selbst.
Mit Sprache, die nichts sagt.
Mit Strukturen, die nichts fühlen.
Mit Prozessen, die nur leben,
weil Menschen darin ersticken.

Man sagt dort nicht „Nein“.
Man sagt:
„Das ist leider nicht in meinem Zuständigkeitsbereich.“
Was höflicher klingt –
aber tödlicher ist.

Und wenn du fragst:
„Aber warum helfen Sie nicht einfach?“
Dann sagen sie:
„Wir halten uns nur an Vorschriften.“
Als wäre das ein moralischer Freifahrtschein
für unterlassene Menschlichkeit.

Ich sag dir was:
Wenn ein System so gebaut ist,
dass es am Ende immer nur das System schützt –
dann ist nicht der Antragsteller das Problem.
Dann ist das System selbst der Antragsgegner.

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