Zu alt für euren Wahnsinn. Nicht für meinen Wert.
Ein Text über die stille Gewalt der Altersdiskriminierung – und die Würde, die bleibt, wenn alle anderen glauben, sie könne verfallen.
Ich bin nicht alt.
Ich bin nur nicht mehr bereit,
mich für fünf Euro die Stunde zu bewerben
und dabei zu tun, als sei ich dankbar dafür.
Ich bin nicht alt.
Ich bin nur jemand,
der schon wusste, wie man Verantwortung trägt,
bevor eure Generation das Wort „Projektleitung“ buchstabieren konnte.
Ich sehe die Anzeigen:
„Junges, dynamisches Team sucht Verstärkung.“
Aha.
Nicht gesagt, aber gemeint:
„Bitte keine grauen Haare. Keine Tiefe. Keine Haltung.“
Was ihr sucht,
ist kein Mensch –
es ist ein Algorithmus auf zwei Beinen:
verfügbar, biegsam, bezahlbar.
Und am besten:
zu jung, um Fragen zu stellen.
Und das Schönste?
Ihr hängt euch Diversity-Flaggen in die Fenster,
als wärt ihr Leuchttürme der Offenheit –
aber wer über fünfzig ist,
wird nicht mal mehr zum Gespräch eingeladen.
Hauptsache, die Hautfarbe stimmt auf dem Plakat,
das Alter aber besser nicht.
Inklusive heißt bei euch: alles außer Lebenserfahrung.
Das ist keine Vielfalt –
das ist feig geschminkte Ausgrenzung.
Wir feiern Diversity – solange alle gleich jung, gleich formbar und gleich leicht zu ersetzen sind.
– Hendrik Birke
Ihr fürchtet uns nicht, weil wir zu langsam sind.
Sondern, weil wir zu viel wissen.
Weil wir euch spiegeln könnten,
was ihr selbst noch nicht sehen wollt.
Denn wir arbeiten nicht für Likes.
Wir machen keine Meetings, um Meetings zu haben.
Und wir haben schon Fehler gemacht,
als ihr noch dachtet, dass ein Burnout nur ein Grillproblem ist.
Ich bin nicht alt.
Ich bin nur zu erfahren für eure Ausreden.
Zu klar für eure Spielchen.
Zu würdevoll, um mich kleinzureden –
bloß weil ich nicht mehr jeden Trend tanze.
Ich bin nicht „zu teuer“.
Ich bin zu wertvoll,
um mich an einen Tisch zu setzen,
an dem Respekt erst nach einem Follower-Check serviert wird.