Warum die Mehrheit schweigt.

Alle wissen es.
Tief im Innern,
in dieser Kammer,
die sie nur nachts spüren,
wenn der Lärm schläft.

Diese Welt bröckelt,
bricht,
frisst sich selbst.
Sie wissen es.
Und doch schauen sie weg.

Sie lenken sich ab
mit Bildschirmen,
mit Kaufzetteln,
mit lauten Empörungen,
die so schnell verpuffen wie sie entflammt sind.

Denn wer wirklich hinsieht,
müsste etwas tun.
Wer fühlt, müsste handeln.
Wer versteht, müsste widersprechen.

Manchmal braucht es nicht die Vielen.
Manchmal reicht einer.
Einer, der hinsieht.
Einer, der nicht schweigt.
Einer, der schreibt.
– Hendrik Birke

Doch Widerspruch kostet Kraft.
Wahrheit kostet Mut.
Verantwortung wiegt schwerer
als die bequeme Lüge vom „Es wird schon“.

Also lassen sie es zu.
Sie sehen den Riss,
doch sie kleben ihn zu
mit Swipe, Buy, Delete.
Mit einem Daumen hoch,
statt mit einer Hand, die hält.

Und dann stehe ich da.
Der, der hinschaut,
der, der nicht wegsieht,
der mit seinen Worten
das sammelt,
was andere zerreißen.
Ich bin der,
der aufschreibt,
was nicht gesagt werden soll.
Der flüstert,
was keiner mehr hören will.
Der bewahrt,
was verschwinden soll.

Vielleicht bin ich nur einer
in einer lauten, müden Welt.
Aber einer reicht.
Einer, der den Riss nicht kaschiert,
sondern ihn zeigt,
damit ihn irgendwann jemand flickt.
Einer, der bezeugt,
dass Würde, Liebe, Wahrheit
mehr sind als Parolen.

Mehr als Tinte.
Mehr als Pixel.

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