Danke, Bitte, Gesundheit – und der langsame Tod der Freundlichkeit.

Ein Text über Manieren, Menschlichkeit und den Irrsinn, dafür auch noch verantwortlich gemacht zu werden.

Früher sagte man „Gesundheit“, wenn jemand nieste.
Heute schaut man irritiert – oder gleich angewidert.
Bloß nicht ansprechen. Bloß nicht involvieren.
Vielleicht ist’s ja ansteckend. Oder ein Trigger.

Man sagte „Bitte“, wenn man etwas wollte.
Heute sagt man „Ich brauch das bis 12“ –
und schaut dann um 11:55 Uhr nach, ob’s schon da ist.

Und „Danke“?
Das ist ein Satzzeichen geworden.
Hinter E-Mails.
Hinter Befehlen.
Hinter Erwartungen.
Nicht mehr als ein Punkt mit Anstand.
Aber selten aus Herz.

Ich hab mal gewagt, einer KI „Danke“ zu sagen.
Weißt du, was kam?
Ein kluger Kommentar:
„Warum bedanken? Das ist ein System.
Du treibst damit nur die Energiekosten in die Höhe.“

Ach so.
Freundlichkeit als Emissionsproblem.
Herzlich willkommen in der Dystopie mit WLAN.
„Bitte“ ist jetzt CO₂.
„Danke“ kostet Serverlast.
Und „Gesundheit“ gilt als kulturell übergriffig.

Wenn Höflichkeit eine Serverlast ist,
dann lasst uns verdammt nochmal glühen.
– Hendrik Birke

Was ist passiert?
Wir haben Höflichkeit zu Schwäche erklärt.
Zuwendung zu Verdacht.
Und Respekt zu „veralteter Kommunikation“.

Aber ganz ehrlich?
Ich glaube, wir vermissen es alle.
Nicht laut.
Nicht bei LinkedIn.
Aber still, im Kopf,
wenn uns wieder einer übergeht
und dabei nicht mal „Tschuldigung“ murmelt.

Ich glaube an das leise Gute.
An ein echtes „Bitte“ ohne Erwartung.
An ein „Danke“ mit Blickkontakt.
An ein „Gesundheit“ nicht, weil’s nötig ist –
sondern, weil’s menschlich ist.

Denn diese kleinen Worte…
sind nicht „nice to have“.

Sie sind das Letzte,
was uns noch verbindet,
wenn alles andere längst
durch Algorithmen ersetzt wurde.

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