Der unsichtbare Poet.
Manchmal glaube ich,
ich bin nur noch Tinte ohne Papier.
Ein Vers, der nie geschrieben,
eine Zeile, die nie gelesen wird.
Ich gehe durch diese laute Welt,
die alles hört, was schreit —
aber nie das, was flüstert.
Ich schreie nicht.
Ich flüstere.
Und deshalb bin ich unsichtbar.
Ich sehe sie:
die, die tippen statt sprechen,
die, die wischen statt lauschen,
die, die vergessen,
dass ein Wort ein Herz sein kann,
das man festhalten muss,
wie einen zitternden Vogel im Sturm.
Solange ein Gedanke überlebt, der flüstert:
„Ich bin noch hier.“.
Solange stirbt auch kein unsichtbarer Poet.
– Hendrik Birke
Ich bin noch da —
in leeren Cafés,
in Zügen, die zu spät kommen,
in einem Blick, der sich in Regentropfen spiegelt.
Ich schreibe mit dem, was mir bleibt:
Gedanken, die keiner kauft.
Wahrheit, die keiner sucht.
Liebe, die keiner erträgt.
Ich bin der unsichtbare Poet —
unbemerkt,
ungelesen,
und doch atmet meine Stille in jedes Gedicht,
das ich nicht auf Papier lege,
sondern heimlich in die Welt.
Vielleicht wird sie eines Nachts
ein Wort finden,
an einer Wand,
in einem Brief ohne Absender,
in einer Notiz zwischen alten Büchern —
und dann wird sie wissen:
Da war einer,
der hat noch geglaubt.
An Worte.
An Schönheit.
An sie.
Und selbst wenn niemand lauscht —
ich höre mich.
Ich höre dich.
Ich höre uns.
Denn ein unsichtbarer Poet
stirbt nicht,
solange ein Gedanke überlebt,
der flüstert:
„Ich bin noch hier.“