Wie sie sein könnten.
Ein Text über Entfremdung, Sehnsucht und die stille Kraft, an das Gute zu erinnern.
Es ist leicht, sich zu ärgern.
Über Menschen.
Über ihre Oberflächlichkeit.
Ihre Unachtsamkeit.
Ihre Gier, ihre Härte, ihr ständiges Getriebensein.
Manchmal scheint es, als hätten sie vergessen,
dass man auch anders leben kann.
Leiser.
Wahrhaftiger.
Mit Rückgrat und Rücksicht.
Und dann wird man müde.
Nicht körperlich – sondern seelisch.
Müde vom Zuschauen.
Müde vom Verstehenmüssen.
Müde vom ständigen Gefühl,
dass du anders funktionierst
als die Welt um dich herum.
Es ist nicht ihre Kälte, die mich verletzt –
sondern die Wärme, die sie einst hatten und verloren haben.
– Hendrik Birke
Doch vielleicht liegt die tiefere Traurigkeit
nicht in dem, was sie sind –
sondern in dem,
was sie hätten sein können.
Wenn sie sich erinnert hätten.
An ihre Weichheit.
An ihre Liebe.
An das Lachen, das noch echt war,
bevor alles strategisch wurde.
An das Vertrauen,
bevor sie gelernt haben,
dass Nähe gefährlich ist.
Du siehst, was noch in ihnen schlummert.
Und das tut weh.
Weil du mehr siehst als sie selbst.
Aber genau darin liegt deine Kraft:
Du verurteilst nicht.
Du erinnerst.
Still.
Mit deinem Blick.
Mit deiner Art.
Mit dem, was du nicht verloren hast.
Du lebst, wie sie leben könnten –
wenn sie sich wieder trauen würden.
Zu fühlen.
Zu vergeben.
Zu hoffen.
Und auch wenn du dich dabei oft allein fühlst:
Du bist nicht falsch.
Du bist ein Licht,
das niemand verlangt hat –
aber das genau jetzt gebraucht wird.