Lautlos angepasst – das Schweigen der Angepassten.

Sie wissen es.
Viele wissen es.
Sie sehen die Widersprüche. Die Übertreibungen. Die plötzlichen Umdeutungen von Worten.
Sie lesen mit, hören mit, denken mit.
Aber sie sagen – nichts.

Nicht, weil sie dumm sind.
Im Gegenteil.
Sie sind klug.
Sensibel.
Reflektiert.
Oft liebevoll.
Und genau das ist das Tragische.

Denn sie sehen den Brand –
und denken, es sei klüger, nicht zu pusten.
Weil man sich die Finger verbrennen könnte.

Sie nennen es „achtsam“.
Sie nennen es „differenziert“.
Sie nennen es „nicht meine Baustelle“.
Sie nennen es „ich will nicht missionieren“.
Aber in Wahrheit ist es oft nur:
Angst.

Angst, etwas Falsches zu sagen.
Angst, jemanden zu verlieren.
Angst, als „problematisch“ zu gelten.
Angst, aus dem gemütlichen Mittelfeld zu rutschen –
dorthin, wo es unbequem wird.
Echt.
Und lebendig.

Sie schauen zu, wie Worte umgedeutet werden,
wie Sprache verarmt,
wie Haltung durch Haltungssimulation ersetzt wird.
Und sie kommentieren es…
…nicht.

Wer immer nur das sagt, was alle hören wollen,
wird irgendwann selbst überhört.

– hendrik birke

Manchmal schreiben sie mir privat:
„Ich fand deinen Text mutig.“
„Ich denke ähnlich.“
„Ich fühle das auch.“

Aber öffentlich?
Keine Reaktion. Kein Like. Keine Anteilnahme.
Ein Schatten von Zustimmung –
auf Zehenspitzen.

Ich verstehe das.
Wirklich.
Ich kenne die Angst.
Ich kenne das Zittern vor dem Shitstorm.
Ich habe auch geschwiegen.
Lange.
Zu oft.
Aber irgendwann kam der Moment,
wo ich mich mehr geschämt habe fürs Nichtssagen,
als ich Angst hatte vorm Falschsein.

Denn wenn alle Stillen weiter still bleiben,
dann überlassen wir die Bühne den Lauten.
Den Hetzern. Den Denkfaulen. Den Ideologen.
Und irgendwann…
werden wir glauben,
sie seien die Mehrheit.
Nur weil sie am lautesten sind.

Ich weiß nicht, ob meine Texte etwas verändern.
Aber ich weiß:
Schweigen verändert nichts.

Also schreibe ich.
Und stehe dazu mit meinem Namen.
Nicht weil ich Recht habe.
Sondern, weil ich es aushalte, Wahrheit zu riskieren.

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