Klick. Und keiner hilft.
Manche bekommen Preise für ihr Gespür.
Für den Moment.
Für die Schärfe.
Für den Ausdruck.
Ein perfekt getimter Shot.
Ein Mensch in Flammen.
Und einer, der abdrückt.
Danach:
Ausstellung.
Lob.
Ein Preisgeld.
Ein Interview.
„Wie haben Sie diesen Moment eingefangen?“
fragt der Moderator.
Und keiner fragt:
„Warum haben Sie nichts getan?“
Wir leben in einer Zeit,
in der Mitgefühl archiviert wird.
Nicht gelebt.
In der wir Elend dokumentieren,
statt es zu verhindern.
Weil es klickt.
Weil es wirkt.
Weil es sich verkauft.
Aber was verkauft sich da eigentlich?
Nicht das Bild.
Sondern der Schmerz.
Nicht der Moment.
Sondern der Verrat daran.
Du kannst nicht gleichzeitig retten und fokussieren.
– hendrik birke
Entscheide dich.
Es gab einen, der brannte.
Und einen, der fokussierte.
Nicht auf das Leid.
Sondern auf die Linie. Den Kontrast. Die Wirkung.
Und dann: Klick.
Ein Leben wurde zur Ästhetik.
Ein Schrei zur Komposition.
Manche nennen das Journalismus.
Manche: Kunst.
Ich nenne es: Verlorene Menschlichkeit in HD.
Denn wer helfen kann und nicht hilft,
hat keinen Preis verdient –
sondern eine Frage:
„Was ist in dir gestorben, dass du nur noch belichten kannst?“
Ich schreibe das nicht gegen Fotografie.
Ich schreibe es gegen das Abbild ohne Anteilnahme.
Gegen das Klicken statt Handeln.
Gegen das Sehen ohne Hinsehen.
Gegen die kühle Kamera,
wo einmal ein Herz sein sollte.
Möchtest du wissen,
was wirklich preiswürdig ist?
Ein Mensch, der die Kamera oder das Smartphone fallen lässt,
weil er einen anderen auffängt.
Ein Mensch, der blutet,
weil er jemandem beisteht –
nicht, weil er das Bild zuerst auf Social Media hatte.
PS: Wenn dein erster Reflex der Auslöser ist
und nicht der Impuls zu helfen –
dann herzlichen Glückwunsch:
Du hast vielleicht das perfekte Bild gemacht.
Aber vom falschen Ende der Menschlichkeit.