Sauber soll’s sein – aber bitte unsichtbar.
Ein Text über die stille Ausbeutung der Reinigungskräfte in Hotels.
12:00 Uhr: Bitte das Zimmer verlassen.
15:00 Uhr: Das nächste erwartet makellose Frische.
Inklusive sauberer Bettwäsche, neuem Badezimmer, gefalteten Handtüchern,
gebügelter Seife und „Herzlich willkommen“-Lächeln.
Zwischen diesen beiden Uhrzeiten liegen 180 Minuten.
180 Minuten, in denen Dutzende Zimmer gereinigt werden sollen.
Nicht von Zauberern.
Sondern von Menschen.
Menschen mit Rückenschmerzen.
Mit Migräne.
Mit Schweiß auf der Stirn und Mindestlohn in der Tasche.
Menschen, die man nicht sieht – aber die alles sehen.
Man nennt es Service.
Aber es ist oft nichts anderes als
durchgetaktete Ausbeutung mit Duftspray.
Denn wer soll das schaffen?
Wer kann mit zehn Minuten pro Zimmer echte Hygiene leisten,
wenn dort vorher noch fünf Menschen gelebt, gegessen, getrunken, geschwitzt haben?
Die Antwort ist: Niemand.
Aber das interessiert nur wenige.
Weil man sich an Frische gewöhnt hat –
nicht daran, wer sie möglich macht.
Wasch mir den Rücken –
aber bitte ohne Spuren auf meinem Gewissen.
– Hendrik Birke
Und die Hotels?
Verweisen auf Zeitpläne.
Auf Verträge mit Subunternehmen.
Auf „wirtschaftliche Realität“.
Doch das Einzige, was hier real ist,
sind kaputte Hände.
Stille Erschöpfung.
Und die Erwartung, unsichtbar zu sein –
am besten so leise wie der Staubsauger am Ende des Flurs.
Es ist ein System, das glänzt,
aber auf Menschen steht,
die sich nicht mal setzen dürfen,
weil der nächste Gast schon an der Rezeption wartet.
Sauberkeit ist kein Zauber.
Sie ist Schweiß.
Und sie verdient mehr als ein „Bitte nicht stören“-Schild
für Würde, die längst verloren ging.