Coache dich selbst, solange es noch ehrlich ist.

Ein Text über die Industrie der Versprechen – und das Geschäft mit der Suche nach sich selbst.

Du fühlst dich müde, leer, überfordert?
Perfekt.
Denn irgendwo da draußen wartet garantiert ein Coach,
der genau dich braucht –
für 3.999 €, zwölf Zoom-Calls
und ein Zertifikat in Hochglanzoptik.

Nicht, weil du ihm wichtig bist.
Sondern, weil du… zahlbereit bist.

Heute kann jeder Coach sein.
Man braucht nur ein Selfie im Sonnenaufgang,
einen selbstgebastelten Claim („Von Trauma zu Triumph“)
und die Fähigkeit, das Wort „Transformation“
in drei Sätzen mindestens viermal zu sagen.

Am besten englisch.
Dann klingt es internationaler.
Und verwirrt länger.

Manche nennen es Coaching.
Ich nenne es Geschäft mit verletzlichen Seelen.
– Hendrik Birke

Du bekommst:
Workbooks mit Fragen, die Google kostenlos beantwortet.
Sprachnachrichten mit Affirmationen.
Und jede Menge „Space“, „Energy“ und „Abundance“.
Aber sobald du echte Tränen weinst,
merkst du:
Du hast nicht gebucht, gesehen zu werden.
Du hast gebucht, optimiert zu werden.

Die neuen Coaches sind nicht da,
um dich zu halten.
Sie sind da,
um dich durch eine Geschichte zu schleusen,
die am Ende immer gleich ausgeht:

Du bist der Grund für dein Leid.
Aber keine Sorge – für 999 € mehr
gibt’s das nächste Level.

Weißt du, was ich glaube?
Du brauchst keinen Guru im Hoodie.
Du brauchst keine „Masterclass“ mit Bonusmodul.
Du brauchst keinen sechswöchigen Fahrplan zum Selbstwert.

Du brauchst echte Menschen,
echte Gespräche,
echte Stille.

Und vielleicht den Mut,
nicht alles zu heilen,
sondern manches einfach
ehrlich zu fühlen.

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