Gegen das Vergessen – weil mein Herz sich erinnert.

Ich sehe sie.
Noch immer.
Die Kinder in den Gräben.
Die Frauen, die sich aneinanderklammern.
Die Männer, die wissen, dass nichts mehr kommt,
außer das Ende.
Nicht durch einen Unfall.
Nicht durch ein Versehen.
Sondern durch Menschenhand.
Durch kalte Befehle.
Durch Gleichgültigkeit in Uniform.

Ich sehe die Bilder.
Und ich sehe die Gesichter.
Nicht als Zahlen.
Nicht als Kapitel.
Sondern als Leben.

Und während die Welt weitermacht,
als sei all das nie gewesen –
lacht irgendwo ein Troll
in die Kamera,
spuckt Phrasen,
jagt Klicks.

Ich aber weine.
Weil mein Herz sich erinnert.

Ich trage keine Schuld –
aber ich trage Verantwortung.
Denn das, was einmal möglich war,
ist nie ganz verschwunden.
Es schläft nur.
Wartet.
Hört zu.

Und heute,
wo wieder gepöbelt wird,
geschwiegen wird,
verharmlost wird –
spüre ich es:
Es beginnt immer leise.

Nicht mit Gewalt.
Sondern mit Gleichgültigkeit.
Mit Witzchen.
Mit Memes.
Mit „Wird man ja wohl noch sagen dürfen.“


Ich erinnere mich.
Nicht, weil ich es will.
Sondern weil ich es muss.

Denn wer heute wegsieht,
macht morgen mit.
Und wer heute lacht,
vergisst vielleicht:
Die Gräben waren echt.
Die Kugeln waren echt.
Die Menschen waren wie wir.

Erinnerung ist kein Blick zurück –
sondern ein Schritt nach vorn mit offenen Augen.
– Hendrik Birke

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