Der leuchtende Menschendarsteller.

Er schreibt viel.
Über Haltung. Über Wandel. Über Mut.
Er kennt die Buzzwords wie Gebete:
Transformation. Authentizität. Mindset.
Er liebt „Reflexion“ –
aber bitte ohne Widerspruch.

Er ist nicht auf einer Plattform.
Er ist die Plattform.
Eine Bühne mit Kommentarfunktion.
Ein Spiegel, der nur in eine Richtung zeigt.

Er postet ein Foto.
Er steht irgendwo auf einem Rooftop –
Kaffee in der einen Hand,
Zitatebuch in der anderen,
den Blick gen Horizont gerichtet
(aber innerlich schon bei den Likes).

Dazu schreibt er Sätze wie:
„Ich habe heute tief in mich hineingehorcht.
Ergebnis: Wir brauchen mehr Menschlichkeit in Unternehmen.“

Guter Punkt.
Nur schade, dass er gestern
eine Mitarbeiterin öffentlich ignoriert hat,
die sich für ihre Kündigung bedankt hat.
Anerkennung ist wohl eher ein Tool –
kein Reflex.

Wer ständig über Haltung redet,
hat vielleicht einfach keine Hände frei zum Handeln.

– hendrik birke

Er spricht über Verletzlichkeit.
Mut zur Imperfektion.
Und postet ein professionell geschnittenes Video von sich selbst,
in dem er
„ganz offen“ über seine Schwächen spricht –
mit perfekter Ausleuchtung
und Hashtag: #unperfektperfekt.

Er wird eingeladen zu Panels,
in Podcasts, in Thought-Leader-Runden.
Und redet dort darüber,
wie sehr er zuhört.
Wie offen er ist für neue Stimmen.

Nur wenn du widersprichst –
blockt er.
Nicht metaphorisch.
Wirklich.
Ein Klick. Und du bist raus.
Aus dem Safe Space des aufgeklärten Leuchtturms.

Nein, wir sagen keinen Namen.
Denn das müssen wir gar nicht.
Er erkennt sich auch so.
Und sollte er protestieren,
dann wäre das vielleicht zum ersten Mal
ein echter Dialog.

PS: Wirklich inspirierende Menschen reden selten darüber,
wie inspirierend sie sind.
Sie tun einfach etwas, das bleibt –
nicht etwas, das postet.

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