Die Verkomplizierer.
Sie betreten den Raum
mit einem Lächeln,
das bereits ihre E-Mail-Signatur voraussagt:
„Strategischer Narrative Designer im New-Work-Exzellenzcluster“.
Du denkst, sie würden gleich etwas sagen.
Aber was du bekommst,
ist ein Wortregen aus „holistischen Perspektiven“,
„integrativen Deep-Dive-Ansätzen“
und „emotionaler Alignment-Dynamik im hybriden Kollektivbewusstsein“.
Spätestens beim dritten Fremdwort
wünschst du dir entweder einen Dolmetscher –
oder einen Stromausfall.
Diese Menschen sprechen nicht,
um verstanden zu werden.
Sie sprechen,
um Eindruck zu machen.
Gerne auch auf sich selbst.
Sie glauben,
dass eine einfache Aussage
ihren geistigen Anspruch untergraben könnte.
Deshalb verpacken sie den Satz:
„Wir brauchen eine Lösung“
in sieben Ebenen semantischer Selbstverliebtheit
und nennen es dann Thought Leadership.
Wenn du höflich fragst:
„Was genau meinen Sie damit?“
schauen sie dich an,
als hättest du den Klimawandel geleugnet.
Denn: Wer erklärt, verliert.
Also reden sie weiter.
Über Synergien.
Über hybride Denkarchitekturen.
Über Purpose-Driven Execution.
Und du fragst dich irgendwann:
Wo genau wurde hier nochmal gedacht?
Wer denkt, will verstanden werden.
– hendrik birke
Wer blendet, will bewundert werden.
Und wer nichts zu sagen hat – redet viel.
Ich schreibe diesen Text nicht,
weil ich Sprache nicht liebe.
Im Gegenteil.
Ich schreibe ihn,
weil ich sie vermisse.
Die echte.
Die klare.
Die, die nicht blendet,
sondern berührt.
Denn wahre Intelligenz
zeigt sich nicht im Klang.
Sondern im Gehalt.
Die großen Köpfe der Geschichte
brauchten kein „Next Level Impact Thinking“.
Sie sagten Dinge wie:
„Ich denke, also bin ich.“
Und nicht:
„Ich verorte mich im interdisziplinären Spannungsfeld reflektierter Existenznarrative.“