Gesendet – nie empfangen.
Du bewirbst dich.
Du schreibst ehrlich,
nicht perfekt vielleicht,
aber mit Herz.
Du schickst nicht nur Unterlagen –
du schickst Hoffnung.
Ein Stück von dir.
Dann vergeht eine Woche.
Ein Monat.
Ein Quartal.
Du schaust immer noch nach.
Manchmal. Heimlich.
Weil du’s nicht glauben willst.
Und dann –
nach über einem Jahr:
Eine E-Mail.
Keine Entschuldigung.
Kein Satz über die Zeit.
Nur:
„Ich bin im Urlaub, melde mich später.“
Das ist kein Einzelfall.
Es ist ein Zustand.
Ein Symptom.
Eine Kultur der Nicht-Verantwortung.
Ein Schweigen, das nicht aus Vergesslichkeit kommt –
sondern aus Verachtung in feiner Verpackung.
Die neue Respektlosigkeit trägt keinen Hass mehr.
Sie trägt keinen Tonfall.
Sie ist still.
Sie antwortet nicht.
Sie verschiebt.
Vertagt.
Verwaltet dich in ein Nichts.
So lange, bis du dich selbst nicht mehr ernst nimmst.
Der schlimmste Schlag ist nicht die Ablehnung.
– hendrik birke
Es ist das Nichts, das sich als Normalität tarnt.
Denn irgendwann denkt man:
„Vielleicht war ich nicht gut genug.“
„Vielleicht war ich zu alt.“
„Zu direkt.“
„Nicht systemkompatibel.“
Aber das stimmt nicht.
Du warst da.
Du hast geschrieben.
Gefühlt. Gewagt.
Und man hat dich ignoriert,
nicht weil du nicht wertvoll warst –
sondern weil sie es verlernt haben,
Menschen zu sehen.
Wir leben in einer Zeit,
in der man Antworten durch Algorithmen ersetzt.
In der Menschen Personalnummern sind
und jeder Klick mehr zählt als jedes Wort.
Man hat dir nicht abgesagt.
Man hat dir nicht einmal zugehört.
Das ist der Zustand.
Nicht nur im Beruf.
Im Kundenservice. In Beziehungen.
Im ganzen System.
Vertagen ist das neue Vermeiden.
Und Nicht-Antwort ist das neue Nein.
Ohne Mut. Ohne Rückgrat.
Ohne jede Form von Haltung.
Ich schreibe diesen Text
für all die Menschen,
die sich irgendwann gefragt haben,
ob sie noch zählen.
Die ihre Kraft in Worte gelegt haben,
und dafür Stille ernteten.
Nicht als Frieden –
sondern als Entwürdigung.
Antworten ist kein Luxus.
Es ist ein Zeichen von Achtung.
Ein schlichtes:
„Ich habe dich wahrgenommen.“
Und wenn wir das nicht mehr können –
was bleibt dann?