Medaille ohne Reue.
Sie stehen oben.
Auf Bühnen.
Podesten.
Profilen.
Sie strahlen.
Sammeln Preise.
Danken dem Leben, den Followern, den Chancen.
Und währenddessen stehen andere –
stumm.
Ohne Bühne.
Ohne Beifall.
Mit Wunden, die niemand je sieht.
Denn oft bekommen nicht die Aufrichtigen die Medaillen,
sondern die Geschickten.
Nicht die Wahrhaftigen,
sondern die Lauten.
Nicht die, die durch die Hölle gingen –
sondern die, die eine gute Story draus machen konnten.
Und was ist mit den Fehlern?
Mit dem, was zerstört wurde?
Mit Vertrauen, das verraten,
mit Herzen, die übergangen,
mit Worten, die wie Pfeile geworfen wurden?
Wo sind die Entschuldigungen geblieben?
Früher sagte man:
„Es tut mir leid.“
Heute sagt man:
„Wenn du dich verletzt fühltest, war das nicht meine Absicht.“
Ein Satz,
so steril wie eine Pressemitteilung.
So leer wie ein Pokal aus Plastik.
So schamlos wie das Vergessen.
Es gibt Menschen, die verdienen keine Trophäen – sondern Vergebung.
– hendrik birke
Doch sie fragen nicht danach.
Wir leben in einer Welt,
in der sich niemand mehr irren will.
In der Fehler nicht zugegeben,
sondern umformuliert werden.
„Ich habe mich weiterentwickelt.“
„Ich würde es heute anders machen.“
Aber nie:
„Ich habe dir wehgetan. Und das tut mir leid.“
Dabei wäre das so viel größer als jede Auszeichnung.
Denn wer sich entschuldigt,
vergibt nicht nur dem anderen –
sondern dem Teil in sich,
der nicht perfekt war.
Der geliebt hat und verletzt hat.
Der gefallen ist. Und stehen blieb.
Ich schreibe diesen Text für all jene,
die nie eine Entschuldigung bekamen,
obwohl sie eine verdienten.
Für die, die leise verloren haben,
während andere laut gefeiert wurden.
Für die, die nicht im Rampenlicht stehen –
aber in der Wahrheit.
Und das ist mehr wert als jede Medaille.