Satt – und doch leer.
Ich stehe im Supermarkt.
Die Regale biegen sich unter der Auswahl.
Von allem gibt es alles.
Und davon noch mehr.
Zwölf Sorten Butter.
Fünfzig Müslis.
Hundert Joghurts in Farben, die mich anschreien.
Aber keiner davon macht satt.
Nicht wirklich.
Denn was uns heute fehlt,
ist nicht mehr Auswahl.
Sondern Ankommen.
Die Menschen hetzen.
Karren voll. Kalender voll. Kopf voll.
Und doch: leer.
Unzufrieden. Ungeduldig. Rastlos.
Als hätte jemand das innere Gleichgewicht auf „Dauerflucht“ gestellt.
Sie suchen das Richtige –
aber immer dort,
wo es nichts Echtes gibt:
Im Außen.
Im Mehr.
Im Nächsten.
Ich frage mich:
Was ist mit uns passiert?
Wann haben wir aufgehört zu spüren,
wann wir genug haben?
Wann wurde Stille zu einem Defizit?
Wann wurde „Ich habe alles“ ersetzt durch
„Was fehlt mir noch?“?
Man kann sich im Überfluss verlieren – und trotzdem verhungern an Bedeutung.
– Hendrik Birke
Ich sehe die Müdigkeit in den Gesichtern.
Nicht von der Arbeit.
Sondern vom ständigen Nicht-genügen.
Vom inneren Dauerrauschen:
„Mach schneller. Sei besser. Hol mehr raus.“
Und ich spüre, wie es mich selbst müde macht.
Nicht die Menschen.
Sondern ihre Leere im Überfluss.
Ihr Lärm im Zuviel.
Ihr Blick, der alles scannt,
aber nichts mehr sieht.
Ich will das nicht mehr.
Ich will nicht durch ein Leben hetzen,
in dem alles möglich ist –
außer Frieden.
Ich will weniger.
Weniger Auswahl.
Weniger Ablenkung.
Weniger Erwartung.
Und mehr:
Wahrheit. Atem. Berührung. Stille.
Vielleicht ist das der wahre Luxus heute:
Nicht besitzen.
Nicht konsumieren.
Sondern bei sich bleiben,
wenn alles um dich laut wird.
Nicht mehr.
Sondern genug.